Realty Income zahlt seit über 50 Jahren jeden Monat, und trotzdem habe ich beim ersten Versuch Geld verloren. Nicht wegen des REITs – wegen des Wechselkurses und der Quellensteuer, die ich damals schlicht nicht auf dem Schirm hatte. Ich hatte 12.000 Euro in drei monatlich zahlende US-Werte gesteckt, mich über die ersten Zahlungen gefreut und beim Verkauf nach elf Monaten festgestellt, dass von der schönen Bruttorendite kaum etwas übrig war.
Wer Aktien mit monatlicher Dividende sucht, stößt auf Listen mit zehn oder zwölf Namen. Was in diesen Listen fehlt, ist die Rechnung danach. Genau darum geht es hier.
Wichtige Erkenntnisse
- In Deutschland sind monatliche Zahler fast ausschließlich US-REITs und einige BDCs – der deutsche Markt kennt dieses Modell praktisch nicht.
- Für 1.000 Euro monatliche Dividende benötigen Sie je nach Rendite grob 170.000 bis 300.000 Euro Kapital, brutto gerechnet.
- Die Abgeltungsteuer plus ausländische Quellensteuer frisst bei US-Werten real etwa ein Viertel bis ein Drittel der Ausschüttung.
- Ein monatlicher Rhythmus ist psychologisch stark, finanziell aber fast neutral – das zeigt der Vergleich mit gestaffelten Quartalszahlern.
- REITs schütten oft mehr aus, als sie verdienen. Der aussagekräftige Wert ist der FFO, nicht die Dividendenrendite.
Aktien mit monatlicher Dividende: warum der Markt so dünn ist
Deutsche Konzerne zahlen einmal im Jahr. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis der Hauptversammlungspraxis: Der Aktionär beschließt die Verwendung des Bilanzgewinns, und das passiert nun mal im Frühjahr. Zwischendividenden sind die Ausnahme, nicht die Regel.
In den USA sieht das anders aus. Dort haben sich REITs – also Immobiliengesellschaften, die gesetzlich verpflichtet sind, einen Großteil ihres Gewinns auszuschütten – das Monatsmodell zu eigen gemacht. Der Grund ist unspektakulär: Ein monatlicher Cashflow lässt sich besser mit Mietzahlungen und laufenden Kosten synchronisieren.
Was Sie in Deutschland tatsächlich finden
Ehrlich gesagt: sehr wenig. Wenn ich auf Trade Republic oder Scalable Capital nach monatlich zahlenden deutschen Aktien filtere, bleibt die Liste kurz und wenig verlockend. Ein paar Small Caps, ein paar Exoten. Nichts, was ich mit einem relevanten Anteil meines Depots halten würde.
Wer trotzdem deutsche Titel will, muss staffeln. Das bedeutet:
- Vier bis sechs Quartalszahler mit unterschiedlichen Ausschüttungsmonaten kombinieren
- Auf die tatsächlichen Zahltage achten, nicht auf das Geschäftsjahr
- Die Ausschüttungssumme pro Monat bewusst ungleich gewichten
- Und: akzeptieren, dass manche Monate doppelt so viel bringen wie andere
Das ist Handarbeit, keine Ein-Klick-Lösung. Aber es funktioniert.
Wie viel Kapital brauchen Sie für 1.000 Euro monatliche Dividende?
Diese Frage bekomme ich am häufigsten, und sie ist die einzige, bei der sich eine Tabelle wirklich lohnt. Weil die Bruttorendite den Unterschied macht, und weil die Steuer danach kommt.
| Bruttorendite | Kapital für 1.000 € brutto/Monat | Kapital für 1.000 € netto/Monat* | Kapital für 3.000 € netto/Monat* |
|---|---|---|---|
| 3,5 % | ca. 343.000 € | ca. 457.000 € | ca. 1.371.000 € |
| 5,0 % | ca. 240.000 € | ca. 320.000 € | ca. 960.000 € |
| 7,0 % | ca. 171.000 € | ca. 228.000 € | ca. 685.000 € |
| 9,0 % | ca. 133.000 € | ca. 178.000 € | ca. 533.000 € |
*Gerechnet mit Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und einer angenommenen ausländischen Quellensteuerbelastung von rund 15 Prozentpunkten, die nur teilweise anrechenbar ist. Das ist eine Näherung für einen typischen deutschen Privatanleger mit voll ausgeschöpftem Sparerpauschbetrag.
Der Sprung von der Brutto- zur Nettospalte ist der Punkt, an dem die meisten Rechner im Netz aufhören. Bei 5 Prozent Rendite brauchen Sie nicht 240.000, sondern eher 320.000 Euro. Und das ohne Kursschwankungen, ohne Dividendensenkungen, ohne Inflationsverlust.
Monatliche Dividende mit 3 Aktien – geht das?
Rechnerisch ja, praktisch mit einem hohen Klumpenrisiko. Drei Titel, die zusammen jeden Monat etwas ausschütten, bedeuten: Wenn einer davon die Dividende kürzt, fehlt sofort ein Drittel Ihres Einkommensstroms.
Ich habe das eine Zeit lang mit drei REITs gemacht. Als einer davon – ein Shopping-Center-REIT – seine Ausschüttung um knapp 30 Prozent senkte, war mein „monatliches Einkommen" plötzlich keines mehr. Seitdem halte ich mindestens sechs bis acht Positionen, wenn der Cashflow verlässlich sein soll. Bei kleineren Summen ist ein ausschüttender ETF die ehrlichere Lösung.
Monatliche Dividende: ETF oder Einzelaktien?
Der Vergleich lohnt sich, weil beide Wege unterschiedliche Probleme lösen.
| Kriterium | Monatlich zahlender ETF | Einzelaktien (REITs, BDCs) |
|---|---|---|
| Streuung | hoch, oft hunderte Titel | hängt von der Positionszahl ab |
| Aufwand | ein Kauf, fertig | Recherche, Nachkaufen, Steuererklärung |
| Rendite | moderat, meist 3–5 % | höher, aber schwankender |
| Steuerliches Prozedere | im Fondsdomizil geregelt | Quellensteuer pro Land |
| Dividendenwachstum | begrenzt | bei guten REITs über Jahre vorhanden |
Was in dieser Gegenüberstellung fehlt: die Steuerfalle bei thesaurierenden Fonds mit US-Domizil. Da greift die US-Quellensteuer auf Fondsebene, und Sie können sie als deutscher Anleger kaum zurückholen. Ein irischer Fonds mit Meldefähigkeit ist hier meist die bessere Wahl – das ist kein Detail, das ist bei größeren Summen ein vierstelliger Betrag pro Jahr.
Meine Haltung: Für den Einstieg und für alles unter etwa 50.000 Euro Depotwert ist ein ETF die vernünftigere Basis. Einzelaktien kommen obendrauf, wenn Sie Lust auf die Analyse haben. Nicht andersrum.
Die Yield Trap: wenn die monatliche Dividende zur Falle wird
Zweistellige Renditen bei monatlich zahlenden Werten sind fast immer ein Warnsignal, nicht ein Geschenk. Der Markt preist bereits ein, dass die Ausschüttung nicht zu halten ist.
Woran Sie das früh erkennen:
- Ausschüttungsquote über dem FFO. Wenn ein REIT mehr ausschüttet, als er operativ verdient, finanziert er die Dividende aus Substanz oder Schulden.
- Leerstand steigt, während die Ausschüttung konstant bleibt.
- Kapitalerhöhungen in kurzen Abständen – frisches Geld, um alte Versprechen zu bedienen.
- Die Rendite liegt deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Werte, ohne dass es einen erkennbaren Grund gibt.
- Die Ausschüttung wurde schon einmal gekürzt und danach wieder „stabilisiert".
Ich hatte einen BDC im Depot, der über zwei Jahre konstant 8 Prozent zahlte und dann von heute auf morgen auf 4 Prozent halbierte. Der Kurs fiel am selben Tag um 15 Prozent. Die Rendite, die mich gelockt hatte, war ein Versprechen, das nie gedeckt war.
Wie viel bleibt nach Steuern wirklich übrig?
Bei US-REITs fällt eine Quellensteuer von 15 Prozent an, die sich bei Vorlage des entsprechenden Formulars anrechnen lässt. Bei anderen Ländern liegt der Satz teils deutlich höher, und die Anrechnung ist oft gedeckelt. Unterm Strich lande ich in meiner Praxis bei etwa 70 bis 75 Prozent der Bruttodividende. Wer mit 5 Prozent Rendite rechnet, sollte mit 3,6 bis 3,8 Prozent planen.
Das ist der unangenehme Teil, den niemand in den Top-10-Listen erwähnt.
Was ich nach Jahren mit monatlichen Dividenden anders machen würde
Der monatliche Rhythmus ist ein echtes Argument – nicht wegen des Zinseszinseffekts, der ist bei monatlicher versus quartalsweiser Zahlung minimal, sondern wegen der Sichtbarkeit. Man sieht jeden Monat, dass die Strategie läuft. Das hält einen disziplinierter als ein Kontoauszug, der viermal im Jahr etwas hergibt.
Aber die Zahl, die am Ende zählt, ist nicht die Dividende pro Monat. Es ist der Gesamtertrag aus Kurs plus Ausschüttung, nach Steuern, über einen Zeitraum von mindestens einem Jahrzehnt. Wer das verwechselt, hat nach zehn Jahren eine hübsche Liste monatlicher Zahlungen und ein Depot, das nicht gewachsen ist.
Fangen Sie mit einer Position an. Schauen Sie nach einem Jahr, was tatsächlich auf dem Konto ankommt, nicht was im Dividendenkalender steht. Der Abstand zwischen diesen beiden Zahlen ist die eigentliche Lektion.