Krise, Crash und Krieg

Exponentielles Wachstum endet gewöhnlich mit dem Tod des »Gastes« beziehungsweise des Organismus, von dem er abhängt. Deshalb ist das Unverständnis dieses Wachstums die folgenschwerste Fehlvorstellung hinsichtlich der Funktion des Geldes, denn mit Zins und Zinseszins verdoppeln sich Geldvermögen in regelmäßigen Zeitabständen, das heißt, sie folgen einem exponentiellen Wachstumsverhalten.

Ökonomen bezeichnen den Zins üblicherweise als den „Preis des Geldes“. Das ist falsch. Der Zins ist nicht der „Preis des Geldes“, sondern der (ungerechtfertigte) „Preis“ für seine Freigabe oder die (abwegige) „Belohnung für die Nichthortung von Geld“, wie der Ökonom John Maynard Keynes 1936 in seinem Hauptwerk Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes zutreffend feststellt. Auch der zeitgenössische Ökonom Helmut Creutz hat das richtig erkannt:

„`Zins´(von lat. census: Steuer) ist der [willkürliche] »Leihpreis« für Geld, dessen Höhe durch Angebot und Nachfrage reguliert wird. Die Höhe des Zinses wiederum bestimmt die Sachkapitalverzinsung und ist Schwelle vor jeder Investition. Zins kann nur durch Abzug vom Arbeitsertrag [Lohn] aufgebracht werden. Eine andere Wertschöpfung gibt es nicht.“ (Helmut Creutz; in: Margrit Kennedy, Geld ohne Zinsen und Inflation, W. Goldmann Verlag, München 2006, S.237; Anm. u. Hervorheb. d. d. Verf.; siehe dazu Norbert Knobloch, Zins und Zinseszins: Der programmierte System-Tod, 25. 02. 2011, www.mmnews.de

 

Der Entzug von Geld aus dem Wirtschaftskreislauf zeitigt zwei schwerwiegende Probleme: Einmal wirkt sich die damit verbundene Unterbrechung des Geldkreislaufes nicht nur ein einziges Mal aus, sondern unzählige Male, und zwar im Rhythmus der sonst üblichen Einsatzhäufigkeit des Geldes. Gewichtiger und schlimmer noch ist der (Straf-) Tatbestand, daß die Verursacher, die (im wahren Sinn des Wortes) zu viel Geld haben und es zurückhalten (horten), es im Allgemeinen nur gegen eine „Gebühr“, einen „Tribut“, nämlich den sog. Zins, wieder freigeben. (Nach Helmut Creutz)

Jede Unterbrechung des Geldkreislaufs generiert eine destruktive Kettenreaktion: liegenbleibende Waren, reduzierte Nachbestellungen, heruntergefahrene Produktion, Arbeitszeit-Kürzungen, Lohn-Kürzungen, Unternehmens-Schließungen, Konkurse, „feindliche Übernahmen“ und Arbeitslosigkeit

 Arbeitslosigkeit ist eine der Konsequenzen des destruktiven Zins- und Zinseszins-Mechanismus:

„… ist Arbeitslosigkeit der Mechanismus, der die Ansprüche von Lohn- [Arbeitern] und Kapitaleinkommensbeziehern [Geldvermögen-Besitzern], die in der Summe bisweilen [heute stets!] höher als die gesamte Wertschöpfung [Sozialprodukt] sind, in Übereinstimmung bringt. Nur dann, wenn der Reallohn, der von den Arbeitnehmern gefordert wird, zu der Mindestkapitalverzinsung »passt« [sic!], (…), wird die Inflationsrate stabil bleiben. … Damit wird erkennbar, weshalb das Verhindern von Zweitrundeneffekten [in Tarif-Verhandlungen], die zu einer Beschleunigung der Inflation führen, im »wohlverstandenen Eigeninteresse« [!?!] insbesondere der Arbeitnehmer ist. Denn ein Anziehen der Lohnspirale endet in einer höheren Arbeitslosigkeit.“ (Prof. Dr. Hans Helmut Kotz, Präsident der Landeszentralbank Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, am 25. Januar 2001; zitiert nach Helmut Creutz, Die 29 Irrtümer rund ums Geld, Amalthea Signum Verlags GmbH, Wien 2009, S. 116; Anm. u. Hervorh. d. d. Verf.)

Das ist der einzige Grund, die einzige Ursache für die „Notwendigkeit“ des Sinkens der Reallöhne!

„1. Einen Kuchen kann man immer nur einmal verteilen. Das gilt auch für die Verteilung des Sozialprodukts bzw. Volkseinkommens. 2. Bei der Aufteilung dieses Kuchens hat in der ersten Runde das Kapital (hier vor allem das Geldkapital!) den Vortritt [sic!]. Dabei diktiert es selbst die Größe seines Anteils, ohne jede Übereinkunft mit den Arbeitleistenden [sic!]. 3. Sind die Arbeitleistenden mit ihrem Kuchenrest [den wenigen, kleinen Krümeln des Kuchens, des Sozialproduktes, das sie gänzlich und allein mit ihrer eigenen Leistung geschaffen haben!] nicht zufrieden, müssen sie entweder mehr arbeiten, um den Kuchen zu vergrößern [was aber zum weitaus größten Teil wieder dem Kapital zugute kommt!], oder Einkommensreduzierungen, Firmenschließungen und Entlassungen in Kauf nehmen. 4. Setzen die Arbeitnehmer in der zweiten Runde [der Tarif-Verhandlungen] Ansprüche durch, die über den verbleibenden Kuchenrest hinausgehen, (…), dann ist die Notenbank zur Geldvermehrung gezwungen, was über eine Inflation zur Verwässerung aller Einkünfte und über höhere Zinsen zu vermehrter Arbeitslosigkeit führt.“ (Helmut Creutz, a. a. O., S. 116/117; Anm. u. Hervorh. d. d. Verf.)

Das ist die Ursache für die „Notwendigkeit“ der stetigen Verlängerung der Tages-Arbeitszeit (Überstunden), der Wochen-Arbeitszeit u. der Lebens-Arbeitszeit (Heraufsetzen des Rentenalters)!

„Und die Konsequenz daraus: Arbeitslosigkeit kann nur vermieden werden, wenn die Wirtschaft im Gleichschritt mit den Kapitalmassen [privaten Geld-Vermögen] und deren Zinsansprüchen wächst oder – da das immer weniger möglich ist [in der BRD haben die Geld-Vermögen und analog die Schulden bereits das Dreifache der jährlichen Wirtschaftsleistung erreicht!] – die Arbeiter sinkende Löhne akzeptieren! Doch selbst dann gerät die Wirtschaft aus den Fugen, weil die Arbeitenden mit sinkenden Löhnen ihre eigenen [!] Produkte nicht mehr in ausreichendem Maße nachfragen [kaufen und bezahlen] können, die Nachfrage der Kapitalrentner [Geldvermögen-Besitzer] aber weitgehend gesättigt [übersättigt!] ist. Übrig bleibt dann nur die Ausweitung der »Dienstleistungsgesellschaft«, die immer mehr zu einer Dienstbotengesellschaft verkommt. Wie zu Zeiten von Karl Marx beschäftigen dann die zunehmend reicher werdenden Reichen in schlossartigen Villen und zu Hungerlöhnen eine immer größere Schar von [zunehmend ärmer werdenden] Dienstboten.“ (Helmut Creutz, a. a. O., S. 117; Anm. u. Hervorh. d. d. Verf.)

Allerdings ist der ungerechtfertigte, für jedes Wirtschafts-System zerstörerische Zins- und Zinses-zins-Mechanismus nicht die erste Ursache, sondern auch nur eine Folge und die zweite Ursache. Die Ursache des Zinses ist die mißbrauchte Möglichkeit, daß man Geld ungestraft künstlich verknappen und über den Zins privat davon profitieren kann, obwohl in Wirklichkeit genug davon vorhanden ist. Das ist das eigentliche, asoziale und kriminelle Prinzip des Kapitalismus: leistungsloses Einkommen aus der Leistung Anderer – also Parasiten- oder Schmarotzertum. Wir brauchen also ein neues Geld-System – entweder ein staatliches in Form eines Bi-Metall-Standards mit einer Liquiditäts-Abgabe („Demurrage“) statt einer Liquiditäts-Prämie (Zins) oder, noch besser bzw. am besten, ein Freies Münzwesen, das heißt privates Geld aus Gold- und Silber-Münzen.

Zinsen bewirken nicht nur ein unaufhörliches, sich selber immer mehr beschleunigendes Wachstum der Geldvermögen auf der einen Seite und der Schulden auf der anderen Seite, also eine (exakt proportionale) Umverteilung der Einkommen von der Arbeit zum Besitz, sondern sie belasten und zerstören jedes Wirtschafts-System, jede Gesellschaft und jeden Staat/jede Nation und die Umwelt. Der perfide Zins- und Zinseszins-Mechanismus ist „die unsichtbare Zerstörungs-Maschinerie“ (John L. King, U.S.-Wirtschafts-Historiker) in den sog., angeblich „Freien Marktwirtschaften“.

„Normalerweise bilden sich Geldvermögen aus erspartem Arbeitseinkommen. Je älter eine Volkswirtschaft jedoch wird und je größer die bereits gegebenen Geldvermögen sind, desto mehr beginnen die Geldvermögen »von alleine« zu wuchern. Das heißt, sie wachsen durch die Zinsen und die Zinsen auf Zinsen, also durch den Zinseszins-Effekt [exponentiell].“ (Helmut Creutz, in: Margrit Kennedy, Geld ohne Zinsen und Inflation, a. a. O., S. 25; Anm. d. d. Verf.)

»Exponentielles Wachstum« ist ein Wachstum, das sich selber zunehmend beschleunigt, und zwar in gleich bleibenden Abständen verdoppelt (1 → 2 → 4 → 8 → 16 usw.). Geldvermögen verdoppeln sich bei gleich bleibender Verzinsung in gleich bleibenden Zeitabständen. Die Zeitabstände sind umso kürzer, je höher der Zinssatz ist: bei einer Verzinsung von 4 Prozent verdoppelt sich Kapital alle 18 Jahre, bei 8 Prozent alle 9 Jahre, bei 12 Prozent alle 6 Jahre. (Faustregel: 72 geteilt durch Zinssatz gleich Zeitabstand der Verdoppelung [nach H. Creutz])

„Exponentielles Wachstum endet gewöhnlich mit dem Tod des »Gastes« beziehungsweise des Organismus [»Wirtes«], von dem er abhängt. Deshalb ist das Unverständnis dieses Wachstums die folgenschwerste Fehlvorstellung hinsichtlich der Funktion des Geldes, denn mit Zins und Zinseszins verdoppeln sich Geldvermögen in regelmäßigen Zeitabständen, das heißt, sie folgen einem exponentiellen Wachstumsverhalten. (…) Tatsächlich verhält sich der Zins wie ein Krebs in unserer sozialen Struktur.(Margrit Kennedy, a. a. O., S. 22; Anm. u. Hervorheb. d. d. Verf.)

Der „Tod“, der Zusammenbruch einer auf unaufhörliches Wachstum angelegten Volkswirtschaft kommt ganz schnell, sozusagen (scheinbar) „plötzlich und unerwartet“ für diejenigen, die das Prinzip nicht verstehen (wollen). Machen wir uns das an dem einfachen Beispiel der Seerosen auf einem Teich, die sich täglich verdoppeln, klar: gleichgültig, wie viele Tage sie bis zur Bedeckung des halben Teiches benötigt haben – schon am Abend des nächsten Tages ist der Teich völlig zugewachsen und bedeckt. Wir stehen, um im Bild zu bleiben, am Morgen des letzten Tages…

„Unsere Volkswirtschaft ist auf niedriges oder gar »Nullwachstum« nicht eingestellt. Wachstums-stillstand bedeutet Massenarbeitslosigkeit und damit den katastrophalen wirtschaftlichen Zusammenbruch der Bundesrepublik Deutschland.“ (Hans Hermann Matthöfer [†], ehemaliger Bundesminister der Finanzen [1978 – 1982], zit. n. Helmut Creutz, a. a. O., S. 198)

„Die sich selbst beschleunigende Entwicklung der Geldvermögen [auf der einen Seite] und Schulden [auf der anderen Seite] wird in der Grafik als Schema dargestellt: Die überproportionale Zunahme der Geldvermögen erzwingt entsprechende Kreditausweitungen, die [daraus resultierenden] größeren Schuldenmassen führen zu verstärkten Zinsrückflüssen an die Geldvermögen, die dadurch wiederum zunehmen und zur erneuten Schuldenausweitung zwingen.

„Wir haben es also hier mit einem widernatürlichen (positiv rückgekoppelten) Regelkreis zu tun, der sich in seiner Überentwicklung selbsttätig beschleunigt, anstatt sich wie natürliche (negativ rückgekoppelte) Regelkreise abzubremsen. In der Natur kennen wir solche positiv rückgekoppelten Regelkreise … nur bei krankhaften Entwicklungsprozessen, etwa dem eines Tumors. Bringt man das Überwachstum des Tumors nicht zum Stillstand, ist der biologische Organismus auf Dauer zum Zusammenbruch verurteilt. Das gleiche gilt auch für eine Volkswirtschaft, wenn ein wesentlicher Teil derselben, nämlich die Geldvermögen und Schulden, ständig weiter wuchern.“ (Helmut Creutz, in: Margrit Kennedy, Geld ohne Zinsen und Inflation, a. a. O., S. 42; Anm. d. d. Verf.)

In der Tat gibt es eine funktionale Identität zwischen dem wuchernden Wachstum entarteter Krebs-Zellen im lebenden Organismus und dem exponentiellen Wachstum von privatem Geldvermögen (Zinsen aus Kapital) und Schulden im sozialen Organismus einer Volkswirtschaft: Beide pathologischen Wachstumsprozesse entziehen dem jeweils befallenen Organismus immer mehr Lebenskräfte – bis zu dessen zwangsläufigem, unausweichlichem Tode bzw. Zusammenbruch.

„Bisher hatte ich geglaubt, es wäre der pathologische Wachstumswahn, der den Zinseszins-Mechanismus generierte. Jetzt weiß ich, daß es sich genau umgekehrt verhält: Das Zinseszins-Verbrechen ist die einzig wirkliche und wahre Ursache dafür, daß die Welt dem Wahnsinn des Zwangs zum endlosen Wachstum verfallen ist.“ (Konrad Lorenz [1903-1989]; aus d. Gedächtnis)

 

Krise, Crash und Krieg

„Die andauernde und langfristige Zahlung von Zins und Zinseszins ist mathematisch nachweisbar praktisch [d. i.: in der Praxis] unmöglich, und damit befinden sich die ökonomische Notwendigkeit und die mathematische [praktische] Unmöglichkeit in einem Widerspruch, der nicht zu lösen ist. Er führt heute wie in der Vergangenheit zur Akkumulation von Kapital [vgl. Karl Marx!] in den Händen von zunehmend weniger Menschen und damit zu wirtschaftlichen Zusammenbrüchen, Kriegen und Revolutionen. Heute liegt im Zinsmechanismus darüber hinaus eine Hauptursache für den pathologischen Wachstumszwang der Wirtschaft mit allen bekannten Folgen der Umwelt-zerstörung. Investitionen werden überwiegend nur dann vorgenommen, wenn sie eine höhere Rendite versprechen, als wenn man das Geld auf der Bank anlegt, oder wenn man mehr Gewinne macht, als man für geliehenes Geld bezahlt. Der Zins bestimmt also, wie schnell die Wirtschaft wachsen muß.“ (Margrit Kennedy, a. a. O., S. 26/27; Anm. d. d. Verf.)

Denn Zins-Zahlungen und umgekehrt Zins-Einkommen sind nicht ein einmaliger Vorgang, sondern wiederholen sich unendlich oft, und zwar jedesmal dann, wenn das schon einmal (unzählige Male) „freigekaufte“ (gegen Zinsen geliehene) Geld von den Kreditnehmern für Zahlungen eingesetzt und von den jeweiligen Empfängern erneut gegen Zinsen verliehen wird. Daher bezieht sich der Zins keinesfalls nur auf die Menge des vorhandenen Geldes! Vielmehr ist die Basis dieser anwachsenden Schulden und Gewinne die Summe der sich immer schneller akkumulierenden Geldvermögen.

„Diese Vermögen übersteigen aufgrund der sich wiederholenden Rücklagenbildungen in jeder Volkswirtschaft sehr rasch die Menge des umlaufenden Geldes und wachsen in einer »älter werdenden Volkswirtschaft« sogar über die volkswirtschaftliche Wertschöpfung hinaus, also über das jährlich erwirtschaftete Sozialprodukt. In Deutschland haben diese gesamten Geldvermögen bereits das Dreifache [sic!] der jährlichen Wirtschaftsleistung erreicht. Da aber die Geldvermögen und die daraus gewährten Kredite ständig zunehmen, muss in jeder Volkswirtschaft auch ein immer größerer Teil des Sozialproduktes für die Geldfreigabegebühren [Zinsen] aufgewendet werden. (Helmut Creutz, a. a. O., S. 135/136; Anm. d. d. Verf.)

Ohne einen solchen Anstieg [Wirtschaftswachstum] des nominellen BIPs [Bruttoinlandsprodukts], der die [ständig steigenden] Mehransprüche des Geldkapitals ausgleicht, käme es zwangsläufig zu Einkommenskürzungen an anderen Stellen, vor allem bei den Arbeits- und Staatseinnahmen.“ (Helmut Creutz, a. a. O., S. 94; Anm. u. Hervorheb. d. d. Verf.)

Wenn die Geldvermögen [durch die Zinseszins-Einnahmen] und damit die Schulden [durch die Zinseszins-Zahlungen] wachsen oder der Zinssatz ansteigt, so fließt denen [noch] mehr Kapital zu, deren Reichtum [ohnehin] aus Geld besteht. Gleichzeitig steht der arbeitenden Bevölkerung [zunehmend immer] weniger Geld für ihre Bedürfnisse zur Verfügung. Dies wiederum zeitigt entweder [negative] Folgen für den Arbeitsmarkt und das Steueraufkommen oder für die Umwelt. Eine Volkswirtschaft, die sich höher verschuldet, um sinkende Einnahmen zu kompensieren, muss unweigerlich die »Problemkette« verstärken.“ (M. Kennedy, a. a. O., S. 74;  Anm. d. d. Verf.)

„Das Wirtschaftssystem, in dem wir leben, ähnelt … einem Kettenbrief. Wenn der Schuldenberg sich nicht erhöht, wenn nicht irgendjemand neue Schulden macht, bricht es zusammen. Dann reißen die Kreditketten und lösen eine Spirale nach unten aus. (…) Seit es den Kapitalismus gibt, kommt es immer wieder zu Krisen. Sie gehören zum System wie das Geld. Nur: Wer sich um das Wesen des Geldes keine Gedanken macht, wird auch die Krisen nicht beenden können.“ (Robert von Heusinger, in: Die Zeit, Oktober 2003; zit. n. H. Creutz, a. a. O., S. 215; Hervorheb. d. d. Verf.)

„Weil Geldvermögen sich verzinsen, wachsen sie, und zwar exponentiëll. (…) Diese sich exponentiell erhöhenden Geldvermögen werden verzinst. Sie können aber nur verzinst werden, wenn es Schuldner gibt, die die Zinsen zahlen. (…) Die exponentiell steigende Verschuldung von irgendjemandem ist also systembedingt notwendig. Und wenn Privatleute oder Unternehmen das nicht übernehmen wollen oder können, müssen es die öffentlichen Haushalte tun. Wenn sie sich weigern, bricht das System zusammen. In den [sog.] »Fachkreisen« der »Ökonomen«, in der Politik und der Öffentlichkeit … gibt es kaum jemand[en], der diesen einfachen Zusammenhang sieht.“ (Prof. Dr. phil. Dr. rer. pol. Wolfgang Berger, Von den Nebenwirkungen des Geldparadigma,  Interview mit Lars Schall für die Zeitschrift Humane Wirtschaft und http://www.chaostheorien.de  , 23. Juli 2010, auf: www.karstenuwe.com; Anm. u. Hervorheb. d. d. Verf.)

Ohne die künstliche Steigerung der Geldmenge ließe sich der (nur für die Banken und die Hochfinanz) profitable Schuldendienst nicht aufrechterhalten, und ohne die dadurch erforderliche und erzwungene Steigerung der Güterproduktion und der Dienstleistungen hätte die künstliche Aufblähung des Geldvolumens schon jetzt weltweit zum totalen Wirtschafts-Zusammenbruch geführt. Aber der ist natürlich nur eine Frage der Zeit und steht nun unmittelbar bevor…

„Durch das Erzeugen eines schnellen wirtschaftlichen Wachstums, das dem exponentiellen Wachstum der Geldvermögen folgt, bleiben die [a]sozialen Konsequenzen noch eine Weile unsichtbar. Der Teufelskreis, der sich ebenfalls immer schneller dreht, heißt nun: höhere Zinslasten, größere Geldvermögen in den Händen von immer weniger [immer reicheren] Menschen und [zunehmend höhere] Verschuldung, mehr soziale Ungleichheit und immer schlimmere Auswirkungen auf unsere Umwelt.“ (Margrit Kennedy, a. a. O., S. 43; Anm. d. d. Verf.)

Doch das (lineare) Wachstum des Brutto-Inland-Produktes (BIP) fällt gegenüber dem (exponen-tiellen) Wachstum der Geldvermögen immer weiter zurück: Von 1950 bis 2000 stiegen die Geldvermögen auf das Zweiunddreißigfache, das BIP aber „nur“ auf das Siebenfache! Prozentual ausgedrückt: 1950 hatten die Geldvermögen einen Anteil von 60 Prozent am BIP, 2000 einen von 300 Prozent! Anders ausgedrückt: 1950 kamen auf jede Mark des Sozialproduktes 60 Pfennige Kapital, 2000 waren es drei Mark Geldvermögen auf eine Mark BIP! (Quelle: Helmut Creutz)

„In Phasen sinkender Wachstumsraten wird die [stetig zunehmende] Diskrepanz zwischen [parasitärem] Einkommen aus Kapital und Einkommen aus [ehrlicher, aber unergiebiger] Arbeit verschärft beziehungsweise die [gewaltsame, ungerechte] Umverteilung von Einkommen aus Arbeit zum Kapital hin fühlbarer. Und das bedeutet sowohl zunehmende soziale Probleme als auch wirtschaftliche und politische Spannungen. Andererseits erschöpfen sich die natürlichen Ressourcen durch [widernatürliches] kontinuierliches Wirtschaftswachstum. Daher haben wir im gegenwärtigen [pervertierten] Geldsystem nur die Wahl zwischen ökologischem und ökonomischem Zusammenbruch.“ (M. Kennedy, a. a. O., S. 103; Anm. u. Hervorh. d. d. Verf.)

Der Zins- und Zinseszins-Mechanismus macht die Reichen automatisch immer reicher und zwingt alle anderen (die Armen/Arbeiter), wenn sie nicht im gleichen Tempo und Maße immer ärmer werden wollen (ärmer werden sie auf jeden Fall!), zu einer ständigen Steigerung ihrer (Arbeits-) Leistung (und zum Verzicht auf gleichbleibende Löhne – von steigenden Löhnen nicht zu reden!). Eine ständige Steigerung der körperlichen Leistung und der materiellen Produktion ist aber bei den begrenzten menschlichen Kräften und auf unserem endlichen Planeten auf die Dauer nicht möglich.

„Alle von diesem Geld geprägten Wirtschaftssysteme müssen darum zwangsläufig immer wieder kollabieren und erneut beginnen. Diese Zusammenbrüche sind jedoch nicht nur [immer] mit großen gesellschaftlichen und sozialen Verwerfungen [und menschlichen Verlusten] verbunden, sondern allzu oft mit Gewaltentwicklungen, bis hin zu [blutigen] Revolutionen und [Bürger-] Kriegen.“ (Helmut Creutz, a. a. O., S. 61; Anm. u. Hervorheb. d. d. Verf.)

(Auch die sog. „Währungs-Reformen“ sind nichts anderes als ein „Neubeginn“ bei Null nach einem Staats-Bankrott – eine weitere Wiederholung des immer gleichen Zyklus und eine Programmierung des nächsten Zusammenbruches – bis zur nächsten „Reform“. Eine Währungs-Reform dient immer nur der Entschuldung des überverschuldeten Staates auf Kosten der betrogenen, enteigneten Bürger)

„Die deutsche Wirtschaft wächst seit 60 Jahren jährlich fast immer um den gleichen absoluten Betrag, das von allen [außer den asozialen, parasitären, schmarotzenden Geldvermögen-Besitzern!] gemeinsam erarbeitete Bruttosozialprodukt wird ständig größer. Natürlich sinkt dabei der Prozentsatz: Wenn wir von hundert ausgehen und 15 hinzupacken, sind das 15 Prozent. Wenn das Jahr für Jahr so weitergeht und aus den hundert deshalb tausend geworden sind, entsprechen die 15, die dazu kommen, nur noch 1,5 Prozent. Ein ganz normaler Reifeprozess in einer Volkswirtschaft, bei der Westdeutschland vor 60 Jahren und China vor kurzem am Anfang gestanden hat. Solange die Wachstumsrate über dem Zinssatz liegt, gibt es etwas zu verteilen. (…)“

„Seit vielen Jahren aber ist die Wachstumsrate unter dem Zinssatz. Obwohl die Wirtschaft [die arbeitende Bevölkerung] ständig mehr erwirtschaftet, reicht das nicht aus, um die exponentiell wachsenden Ansprüche des Finanzsektors [Banken/] zu befriedigen. Deshalb muss uns allen die Differenz weggenommen werden. Das geschieht durch ein Absenken der Nettoentgelte für Arbeit, durch reduzierte staatliche Dienstleistungen, durch den [rechts- und verfassungswidrigen!] Verkauf von »Tafelsilber«, das aus Steuergeldern [der arbeitenden Bürger!] aufgebaut worden ist [und daher den Bürgern gehört!] (Post, Bahn, Elektrizitätsversorgung, Wasserwerke, Nahverkehr etc.), Verlängerung der Lebensarbeitszeit … und vieles mehr. Dass einzelne [korrupt-kriminelle] Politiker dabei noch behaupten, es müsse überall gekürzt werden, weil wir »über unsere Verhältnisse gelebt« hätten, zeugt von beängstigender Dummheit [oder zynischer Impertinenz und bösartiger Chuzpe!]: Die exponentiell wachsenden Anteile des Volkseinkommens, das von »unten« nach »oben« umverteilt werden muss – das sind die gigantischen leistungslosen Einkommen [der asozialen, schmarotzenden Super-Reichen]. Sie müssen von allen gemeinsam erarbeitet werden, also von Unternehmern und von Arbeitnehmern. Die lächerlichen Almosen [„Hartz IV“!], die den arbeitslosen Opfern des Systems gewährt werden, können wir dagegen vernachlässigen.“

„Natürlich wäre es den Politikern lieber [??], sie müssten uns nichts wegnehmen und die staatlichen Leistungen nicht abbauen,…. Das würde aber eine Wachstumsrate über dem Zinssatz voraussetzen – etwas, das in einer entwickelten Volkswirtschaft niemand braucht, das unser Planet nicht verkraften könnte und das, wie wir sehen, auch nicht funktioniert. Deshalb geht die gigantische und sich exponentiell beschleunigende Umverteilung von der großen Mehrheit [der ärmer und ärmer werdenden Arbeitenden] zu einer kleinen [nicht arbeitenden Minderheit einer parasitären, schmarotzenden, reicher und reicher werdenden] Finanzaristokratie weiter.“

„Wir können leicht errechnen, wann es soweit sein wird, dass alles in der Welt einer Handvoll Superreichen gehört und alle anderen ihnen in einem faktischen Sklavenstand dienen müssen [„Neue Weltordnung“/„New World Order“]. Das ist eine Situation, die Revolutionen gebiert. Die Geschichte lehrt uns, dass dabei selten etwas Besseres herausgekommen ist. Und bestehende Strukturen und Systeme haben auch immer ein starkes Beharrungsvermögen und tun alles, um zu überdauern. So bleibt als einziger Ausweg, um unser Finanzsystem zu erhalten, Krieg oder eine Krise mit kriegsähnlichen Folgen. Wenn alles zerstört ist, brauchen wir das System nicht zu reformieren. So wie nach dem Zweiten Weltkrieg können wir wieder von vorne anfangen – mit zwei-stelligen Wachstumsraten, die über dem Zinssatz liegen. Auf dem neuen niedrigen Niveau gibt es wieder etwas zu verteilen, und der Zyklus beginnt erneut – bis zum nächsten Krieg oder Crash.

„Den Zyklus von Zerstörung und Wiederaufbau erleben wir nun schon seit vielen Jahrhunderten: das Jahrtausendexperiment einer Finanzordnung mit Milliarden von unnötigen Menschenopfern.“

(Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger, a. a. O.; Anm. u. Hervorheb. d. d. Verf.)

Zu vermeiden ist dieser Kollaps nur, wenn die (Vorherrschaft) Hegemonie der Hochfinanz und die (Gewaltherrschaft) Diktatur des Monopol-Kapitals gebrochen werden und es zu einer Befreiung der Marktwirtschaft vom Kapitalismus (Buchtitel des Verfassungsrechtlers Dieter Suhr) kommt. („Diktatur des Monopol-Kapitals“ ist übrigens die exakte Definition des Faschismus! Die Wirtschafts-Systeme fast aller Industrie-Nationen sind per definitionem und de facto faschistisch!)

< „Dieses [kranke, kriminelle] Finanzsystem zerstört den sozialen Frieden, den politischen Frieden, ja, in letzter Konsequenz das Leben auf dem Planeten [durch „Wirtschafts-Wachstum“ und Krieg].“ (Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger, a. a. O.; Anm. d. d. Verf.)


2 Responses to Krise, Crash und Krieg

  1. Michael Sack says:

    Liebe Leser, ist mit diesem Artikel alles richtig erklärt? Ein werter Versuch in dieser argen Situation ist es bestimmt. Ja, es geht ums Leben – wie wir leben. Aber hinzuweisen auf den Höchsten Zeugen, auf den, der uns sieht, 1. Mose, 16, 13 + 14, das wurde auch hier versäumt. Und, die Bibelstelle Heiliger SCHRIFT macht auch deutlich, GOTT beachtet sehr wohl die Sklaven. Und das soll ja eigentlich gar nicht geschehen, daß der Mensch zum Unglück über den anderen herrscht. Denn was gebietet uns Menschenkindern denn seit Jahrtausenden GOTTES WORT, die Bibel : es ist die wahrhaftige Nächstenliebe! Und zeigt uns nicht die Entwicklung der Menschheit durch die Jahrhunderte und Jahrtausende hin zu einer Globalisierung genau diese Notwendigkeit der Verantwortung. Nämlich Afrika den Afrikanern, Asien die Asiaten und die Europäer haben ihren Sub-Kontinent. Also, jedem Volk sein Land. So sollte es sein. Und in die Mitte dieser globalen Ordnung hat GOTT Sein Volk Israel gepflanzt und diesen Ort : Nabel der Welt genannt. Und diesem Volk und der Welt Propheten und Heilige SCHRIFT gegeben. Und auch, wenn die Septuaginta, die LXX – sehr spät sozusagen – damals die Thora in einer Weltsprache den Völkern gab, so waren doch die Inhalte des WORTES GOTTES weithin bekannt. Und hätten Weltpolitik bestimmen können, denn das Gesetz des Mose war gut und vollkommen. Aber dem war ja nicht so, auch, zum Leid der Menschenkinder überall. So wie es heute auch ist. MfG, MS

  2. tilly8 says:

    Der Beitrag reiteriert nur das kollektivistische Narrativ. Knobloch kann nicht anders. Eigentlich schade, dass so viele auf solchen Mist reinfallen.

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