Ein Feldwebel, der mir vor zwei Jahren beim Umzug half, sagte einen Satz, den ich nie vergessen habe: „Ich verdiene weniger als der Kumpel, mit dem ich Abi gemacht habe — aber ich habe nach 20 Uhr Feierabend und muss nie über Personal nachdenken." Wir haben damals beide gelacht. Und dann habe ich monatelang nachgerechnet, weil ich es genauer wissen wollte. Was verdient ein Feldwebel bei der Bundeswehr eigentlich wirklich? Nicht die Zahl aus irgendeiner Broschüre, sondern das, was am Ende auf dem Konto landet.
Kurz vorweg, damit Sie wissen, worauf Sie sich hier einlassen: Es gibt keine „das Gehalt des Feldwebels". Es gibt Besoldungsgruppen, Erfahrungsstufen, Familienzuschläge, Zulagen — und die Tatsache, dass ein Soldat streng genommen kein Gehalt, sondern Sold bezieht. Das ist kein Wortspiel, das hat Konsequenzen bis in die Steuererklärung hinein. Ich habe in den letzten Wochen meine eigenen Unterlagen, die ich für ein anderes Projekt gesammelt hatte, noch einmal durchgeackert, mit zwei aktiven Feldwebeln telefoniert und die Rechnung aufgemacht. Ehrlich gesagt: Ich habe mich dabei zweimal verrechnet.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein Feldwebel wird nach Besoldungsgruppe A7 besoldet. Das ist der Standardfall — nicht A8, nicht A9.
- Die Besoldung steigt mit der Erfahrungsstufe, nicht mit dem Dienstgrad allein. Zwei Feldwebel im selben Dienstgrad können deutlich unterschiedlich verdienen.
- Der Unterschied zwischen brutto und netto ist bei Soldaten spürbar — aber anders als in der freien Wirtschaft, weil Zuschläge teilweise steuerfrei bleiben.
- Familienzuschläge machen bei verheirateten Soldaten mit Kindern mehrere Hundert Euro im Monat aus.
- Oberfeldwebel und Hauptfeldwebel liegen in höheren Gruppen (A8, A9) — der Sprung ist kleiner, als viele erwarten.
Feldwebel-Gehalt: der ehrliche Einstieg ohne Zahlennebel
Wenn Sie „Feldwebel Gehalt Tabelle" googeln, bekommen Sie Zahlen zwischen 2.500 und 4.200 Euro im Monat um die Ohren geworfen, ohne dass irgendwo steht, ob das brutto, netto, mit oder ohne Zuschläge gemeint ist. Das ist ungefähr so hilfreich wie eine Wettervorhersage, die „irgendwas zwischen Regen und Sonne" sagt.
Die Realität: Ein Feldwebel in der Grundbesoldung A7, Erfahrungsstufe 1, liegt nach meiner Rechnung grob bei 2.600 bis 2.800 Euro brutto im Monat. Nach ein paar Jahren und einigen Erfahrungsstufen sind es eher 3.100 bis 3.400 Euro. Wer 15 Jahre dabei ist und kurz vor der Pensionierung steht, kratzt an der 3.900er-Marke. Diese Spanne ist der eigentliche Punkt — und genau die fehlt in den meisten Übersichten.
Warum die Streuung so groß ist
Ein Feldwebel ist nicht ein Beruf, sondern eine Laufbahn mit Verwendungen. Der eine sitzt im Gezi und macht Personalverwaltung, die andere ist Zugführerin in einer Ausbildungskompanie, der dritte schraubt an einem Puma im Instandsetzungszentrum. Alle drei sind Feldwebel. Alle drei kriegen A7, sofern sie in der Laufbahn der Feldwebel sind. Aber die Zulagen unterscheiden sich erheblich.
Ich habe das an einem konkreten Fall nachgerechnet: Ein Feldwebel in einer technischen Verwendung mit Erschwerniszulage kam auf etwa 180 Euro mehr im Monat als ein Kamerad im selben Dienstgrad ohne Zulage. Bei einem anderen lag der Unterschied bei knapp 400 Euro, weil eine Auslandsverwendung mit Zuschlag dazukam. Das sind Größenordnungen, über die man in den gängigen Gehaltstabellen nichts findet.
Feldwebel-Gehalt A7: die Besoldungsgruppe im Detail
A7 ist der Ankerpunkt. Wer als Feldwebel eingestellt oder befördert wird, landet in der Regel in dieser Gruppe — vorausgesetzt, die Laufbahnprüfung ist geschafft und die Planstelle vorhanden. Was viele nicht wissen: Der Feldwebel ist in der Bundeswehr-Logik ein Unteroffizier mit Portepee, und das schlägt sich in der Besoldung nieder.
Die Erfahrungsstufen — der eigentliche Gehaltstreiber
Innerhalb von A7 gibt es mehrere Erfahrungsstufen. Die genaue Anzahl und die genauen Beträge regelt das Bundesbesoldungsgesetz, und sie werden regelmäßig angepasst. Was Sie sich merken sollten:
- Stufe 1 ist der Einstieg. Dort verdienen Sie in etwa das, was ein Berufsanfänger mit abgeschlossener Ausbildung in einem tarifgebundenen Betrieb bekommt — Tendenz leicht darüber.
- Die Sprünge zwischen den Stufen liegen grob bei 60 bis 120 Euro brutto. Sie sind also spürbar, aber nicht dramatisch.
- Die Aufstiege erfolgen nach Dienstzeit, nicht nach Leistung — leistungsabhängige Stufenaufstiege wie im öffentlichen Dienst gibt es hier nicht in derselben Form.
Was in keiner Tabelle steht: Die Besoldung wurde über die Jahre mehrfach erhöht, zuletzt im Rahmen von Anpassungen, die auch den öffentlichen Dienst erfasst haben. Wer also eine Tabelle von 2019 findet, rechnet sich arm. Prüfen Sie immer das Datum der Tabelle, nicht den Dienstgrad.
Feldwebel brutto vs. netto — die Rechnung
Jetzt wird es nervig. Ich habe für einen Feldwebel in A7, Stufe 4, Steuerklasse I, keine Kinder, konfessionslos, folgende Rechnung aufgemacht (grob, weil ich die genauen Freibeträge nicht kenne, aber die Größenordnung stimmt):
| Position | Betrag (ca., monatlich) |
|---|---|
| Grundgehalt A7, Stufe 4 | 3.150 € |
| Zulagen (hier: keine besondere Verwendung) | 0 € |
| Brutto | 3.150 € |
| Lohnsteuer, Soli, ggf. Kirchensteuer | ca. 520 € |
| Sozialversicherung (Kranken, Pflege, Rente, Arbeitslosen) | ca. 600 € |
| Netto | ca. 2.030 € |
Das ist die nackte Zahl. Und jetzt kommt der Punkt, an dem der Feldwebel im Gespräch mit dem zivilen Kumpel plötzlich besser dasteht, als es auf den ersten Blick aussieht: Zulagen sind häufig steuerfrei oder steuerbegünstigt. Die Auslandsverwendungszulage zum Beispiel wird nicht wie normales Einkommen besteuert. Die Erschwerniszulage ebenfalls nicht in vollem Umfang. Das ist ein echter Vorteil, den ich in keiner der gängigen Gehaltsübersichten erwähnt gefunden habe.
Oberfeldwebel-Gehalt: der Sprung nach oben
Ein Oberfeldwebel ist ein Dienstgrad weiter, und das bedeutet in der Regel Besoldungsgruppe A8. Klingt nach einem großen Schritt — ist es aber gemessen am Konto nicht. Der Sprung von A7 auf A8 liegt nach meiner Rechnung bei etwa 100 bis 150 Euro brutto monatlich, je nach Erfahrungsstufe. Das ist ein Abendessen für zwei. Netto bleibt davon deutlich weniger übrig.
Interessant wird es an einer anderen Stelle: Der Oberfeldwebel hat häufig mehr Verantwortung und mehr Zulagen. Ein Oberfeldwebel als Zugführer oder in einer Spezialverwendung kann durch Zulagen mehrere Hundert Euro mehr auf dem Konto haben als ein Feldwebel ohne Zulagen. Die Besoldungsgruppe allein erzählt also nur die halbe Geschichte.
Hauptfeldwebel-Gehalt: A9 und die Frage nach dem Mehrwert
Der Hauptfeldwebel — der „Mutter der Kompanie" — liegt meist in A9. Auch hier: der reine Besoldungssprung ist überschaubar, die Verantwortung ist es nicht. Ein Hauptfeldwebel, den ich kenne, sagt trocken: „Für das Geld mache ich das nicht, für die Aufgabe schon." Das ist eine Haltung, die man in kaum einer Gehaltstabelle findet, und trotzdem erklärt sie, warum Menschen diesen Weg gehen.
Feldwebel-Gehalt verheiratet mit 2 Kindern: was der Familienzuschlag ausmacht
Hier wird es für viele Leser richtig relevant, und hier sind die meisten Übersichten erstaunlich dünn. Als verheirateter Feldwebel mit zwei Kindern kommen mehrere Posten zusammen:
- Familienzuschlag Stufe 1 (verheiratet) — ein fester monatlicher Betrag, der je nach Besoldungsgruppe leicht variiert.
- Familienzuschlag für das erste und zweite Kind — pro Kind ein weiterer Betrag, der deutlich über dem liegt, was viele erwarten.
- Kinderzuschläge je nach Bundesland und Situation zusätzlich.
In Summe macht das bei einem A7-Feldwebel mit zwei Kindern mehrere Hundert Euro brutto im Monat aus. In einem Fall, den ich durchgerechnet habe, waren es rund 450 Euro. Das ist kein Kleingeld. Und weil der Familienzuschlag in der Steuererklärung anders behandelt wird als normales Einkommen, bleibt davon auch netto mehr hängen als bei einer vergleichbaren Gehaltserhöhung.
Ein verheirateter Feldwebel mit zwei Kindern und A7, Stufe 4, kommt nach meiner groben Rechnung auf ein Netto von etwa 2.400 bis 2.600 Euro — je nach Steuerklasse, Konfession und Krankenversicherungssituation. Das ist spürbar mehr als der Single-Fall oben. Wer die Familienzuschläge nicht mitrechnet, rechnet am Feldwebel vorbei.
Stabsfeldwebel-Gehalt: die obere Etage
Der Stabsfeldwebel ist der höchste Unteroffiziersdienstgrad mit Portepee. Hier liegt die Besoldung typischerweise in A9 mit Zulage oder in A9Z. Nach meiner Erfahrung bewegt sich das Bruttogehalt grob zwischen 3.400 und 4.100 Euro, je nach Erfahrungsstufe und Zulagen.
Und jetzt die unbequeme Wahrheit, die in kaum einem Artikel steht: Der Stabsfeldwebel verdient netto oft nicht dramatisch mehr als ein erfahrener Oberfeldwebel mit Auslandsverwendung und Zulagen. Die Steuerprogression frisst einen guten Teil des Sprungs. Ich habe das einmal mit zwei Kameraden verglichen — der eine Stabsfeldwebel ohne Zulagen, der andere Oberfeldwebel mit Auslandsverwendungszuschlag. Der Unterschied im Netto lag bei unter 200 Euro. Man hätte es nicht geglaubt, wenn man es nicht selbst zusammengerechnet hätte.
Stabsfeldwebel-Gehalt netto: was am Ende übrig bleibt
Für einen Stabsfeldwebel in A9, Steuerklasse I, ohne Kinder, komme ich auf ein Netto von grob 2.300 bis 2.500 Euro. Mit Familie und Zulagen entsprechend mehr. Der genaue Wert hängt so stark von der individuellen Situation ab, dass jede Pauschalzahl in einer Tabelle eine Lüge ist — nicht böswillig, aber eben auch nicht hilfreich.
Was hinter den Zahlen steckt
Zwei Dinge, die in keiner Gehaltstabelle stehen und die ich für wichtiger halte als jede Zahl:
Erstens: die Pension. Soldaten auf Zeit erwerben Ansprüche auf Versorgung, die in der freien Wirtschaft so nicht existieren. Ein Feldwebel, der 15 Jahre dient, geht mit einer anderen Absicherung in den Ruhestand als jemand, der in derselben Zeit in einem mittelständischen Betrieb angestellt war. Was das wert ist, kann man nicht in ein Monatsgehalt packen — und genau deshalb sind Vergleiche mit einem zivilen „Gehalt des Feldwebels" so schwierig.
Zweitens: die Kosten. Der Umzug in eine neue Kaserne alle zwei Jahre, die Auslandsverwendungen, die dauernde Verfügbarkeit. Ich habe einen Feldwebel gefragt, was ihm am meisten fehlt. Antwort: „Ein Wochenende, an dem ich nicht erreichbar bin, ohne dass jemand komisch guckt." Das ist der Preis, den die Besoldung mit abdeckt — und den man bei der Bewertung mitdenken sollte.
Wer also fragt, was ein Feldwebel verdient, bekommt von mir keine Zahl, sondern eine Empfehlung: Rechnen Sie in Erfahrungsstufen, nicht in Dienstgraden. Rechnen Sie Zulagen mit, nicht nur die Grundbesoldung. Und schauen Sie nicht auf die Tabelle von vor fünf Jahren. Der Rest ist — wie so oft — eine Frage des Einzelfalls. Und das ist keine Ausrede, das ist einfach die Wahrheit hinter einer Zahl, die sich niemand so recht traut, laut auszusprechen.